Dienstag, 11. Dezember 2007
Che, que tal, boludo: - oder Begrüßungsrituale, die Mitteleuropäer so nicht verwenden würden ... .
Mit den Ausruf "Che" ist hier nicht Che Guevarra gemeint. Zwar war der kubanische Revolutionär gebürtiger Argentinier, mit seinem Vornamen hat dies aber wohl nichts zu tun.

"Che" bedeutet - fast ausschliesslich in Argentinien - soviel wie "Hey", "Hallo" oder besser noch "Moin", wie man bei uns in Hamburg sagt (was dort ja auch nicht zwingend "Guten Morgen" bedeutet).
Im Gegensatz hierzu erwartet ein "Che" als einleitende Begrüssung keinelei Erwiderung und kann im weiteren Verlauf eines Smalltalks auch gerne wiederholt als halbwertiges Füllwort verwendet werden.

Bei der Begegegnung zweier Menschen, unabhängig von Stand, Geschlecht oder Tagesform wird mit einem "Que tal" die Befindlichkeit des Gegenübers erfragt.
Wörtlich übersetzt fragt man damit "wie gehts?"
Wer der spanischen Sprache mächtig ist (hier heisst es nicht "espanol" sondern "castellano") und wahrheitsgetreu und selbstbewußt Zeugnis über seine tatsächliche Zustand abgibt (siehe mein Ankunft im Hotel ...), erntet im besten Fall fragende Blicke, Verwirrung oder ein totales ERROR.
Es rechnet also kein Argentinier damit, dass man diese Frage ernst und wahrheitgetreu beantwortet.

Besser man erwidert "bien" -("gut") oder "muy bien" ("sehr gut"), will man der Frage ironisch begegneten, kann man es mal mit einem "requete bien" versuchen.
"Spektakulär" würde man damit ausdrücken - und das glaubt Dir hier eh keiner!

Leider ist dies nicht zuletzt ein Beleg für eine gewisse Oberflächlichkeit, die man an anderer Stelle aber schnell zu schätzen weiß, wenn man als Fremder in Latainamerika im lockeren Gespräch mit anderen in Kontakt treten möchte und über die Grundregeln der Erstkontaktaufnahme Bescheid weiß.

Als "boludo" bezeichnet man hier locker jeden - ausgenommen Lehrer, Beamte, Polizisten, Angehörige der Streitkräfte und alle Menschen mit denen man in einem möglichen Abhängigkeitsverhältnis keine Missverständnisse aufkommen lassen sollte -, der einen beeindruckt, den ich gerne beeindrucken möchte, den ich mag oder beschimpfen will.

Ich bezeuge hier und heute, dass ich erst gestern im familären Gespräch zwischen zwei Brüdern, diese Bezeichnung mindestens 5x gehört habe!
Ihr wollt gerne wissen, was "boludo" bedeutet?

Ich sag nur soviel:
1. "bola" heisst Kugel,
2. "-udo" als Wortendung erhöht oder vergrössert das vorangestellte Substantiv
3. ausserdem handelt es sich bei einem "boludo" genaugenommen um einen bedauernswerten (geschlechts-) kranken Menschen.
Schlagt mal bei Wikipedia nach (Stichwort: Elephantiasis).

Krass!!!

Bei soviel halbenwahren "Freundlichkeiten" im (täglichen) Umgang zwischen seinen Mitmenschen könnten man leicht sagen:

"Die spinnen, die Argentinier!"

In Wirklichkeit gibt es allerdings kaum einen herzlicheren Schlag Mensch.
Hilfsbereit, freundlich und mit einem hervoragenden selbstirolischen Humor unterstreichen einige Floskeln die Vielzahl an Gegensätzlichkeiten dieses Landes.
Manchmal wunder man sich, manchmal staunt man nur - langweilig wirds nie!

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